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Magda Kampis-Bánrévy

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Die Künstlerin Magda Kampis-Banrevy, 1986

Magda Kampis-Bánrévy

Illustratorin, Landschafterin, Porträtistin und Graphikerin

18. 05. 1911, Budapest  –  19. 02. 1987, Biberach an der Riß

 

 

Die Künstlerin Magda Bánrévy wurde 1911 in Budapest geboren. Sie entstammte einer angesehenen Wissenschaftler- und Künstlerfamilie. Ihre Familienmitglieder mütterlicherseits gründeten Anfang des XX. Jahrhunderts in Gödöllö/Ungarn eine Künstlerkolonie, den ungarischen “Monte Verità“ (dt. Wahrheitsberg). Auf das geistige Gesicht der Künstlergemeinschaft übten der Gnostizismus von Schmitt, die Anschauungsweise der Theosophie und Anthroposophie einen starken Einfluss aus.

Die führenden Persönlichkeiten der Gruppe waren Sándor Nagy (1869-1950), Aladár Körösfői-Kriesch (1863-1920) und Ede Toroczkai Wigand (1870-1945), denen sich auch andere Künstler hinzugesellten. Sándor Nagy und seine Ehefrau Laura Kriesch schlossen sich der Künstlerkolonie im Jahre 1907 an. Antónia Kriesch, die Mutter von Magda Bánrévy, war die Schwester von Laura Kriesch und Aladár Körösfői Kriesch.

 

Foto von Antonia Kriesch und ihrer Schwester Laura Kriesch

Foto von Antonia Kriesch und ihrer Schwester Laura Kriesch

 

Bild Tempera Porträt von Kriesch Antonia, der Mutter von Magda Banrevy

Magda Banrevys Aquarellporträt von ihrer Mutter, Antónia Kriesch.

 

Die Gruppe verband das natürliche, gesunde Leben der Reformlebensweise mit der Idee einer gesellschaftlichen Gleichberechtigung. Alle Mitglieder der Künstlerkolonie waren nicht durch ihren Stil, sondern durch ihre Kunst- und ihre Lebensauffassung verbunden. Sie waren auf der Suche nach Transzendenz, stellten die Subjektivität in den Vordergrund, wollten das mystische Lebensgefühl verwirklichen und glaubten an die Pflicht zur Übernahme von Aufgaben in der Gesellschaft. Neben den Ideen von Schmitt übten auch andere Persönlichkeiten einen großen Einfluss auf die Künstler aus. Als Beispiel wären da John Ruskin, William Morris, Leo Tolstoi und Julius Hart. Die Künstlerkolonie in Gödöllö ersetzte die mittelalterliche Idealstadt von Ruskin durch die eher rustikalen Farben eines Dorfes in Siebenbürgen. Aus diesem Grunde verflocht sich die Sezession in Gödöllö mit der ungarischen folkloristischen Kunst. Deshalb hielten sie, innerhalb der Ideen der Synthese der Künste, der Idealisierung der Künste und der Gleichberechtigung der Kunstzweige, auch die Aufhebung der Grenzen der Volkskunst und der „Grand Art“ für wichtig.

Magda Bánrévy studierte nach ihrem Abitur zwischen 1931-1936 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Budapest unter den Händen von István Réti und László Emil Baránszky. Sie erhielt ihr Diplom im Jahre 1936 als Kunstlehrerin. Die junge Künstlerin, die auch nach Italien und Deutschland Studienreisen unternahm, arbeitete hauptsächlich als Aquarellistin und Graphikerin. Ihre Werke umfassten in erster Linie Illustrationen, vor allem zu Wagners Opern Tannhäuser und Parsifal. Viele ihrer Bilder befinden sich im Besitztum ungarischer öffentlicher Sammlungen. Des Weiteren wurde sie als Mitglied mehrerer ungarischer Künstlervereine geführt. Die Künstlerin hat mit ihren einzigartigen Bildnissen und Kompositionen viele Ausstellungen in ihrer Heimat und im Ausland bereichert. Die Aufnahme in den Kreis der ordentlichen Ausstellungskünstler wurde ihr nach einer Ausstellung in der Budapester Kunsthalle im Jahre 1939 zuteil. Die freischaffende akademische Malerin und diplomierte Kunstlehrerin unterrichtete zwischen den Jahren 1940 und 1944 an mehreren ungarischen Schulen Kunstgeschichte, Zeichnen und Malerei. Magda Bánrévy bot im Jahre 1944 ein letztes Mal in Budapest, im Rahmen einer Sammelausstellung, zusammen mit den Künstlern Tibor Hamza, Imre Kutassy und Ferenc Vitéz Pataky, ihre Werke der Öffentlichkeit dar. Die Kriegswirren zwangen die Künstlerin Ende des Jahres 1944 ihre Heimat zu verlassen. Sie flüchtete mit ihrer Mutter und dem Künstler, Johann Kampis nach Deutschland/Leipzig.

 

Kirchenfenster-Malerei-aquarell-bild

Entwurf: Kirchenfenster-Malerei

 

Aquarell-Bild als Kirchenfenster-Malerei aus dem Jahre 1942, Ungarn.

Entwurf: Kirchenfenster-Malerei von Magda Bánrévy aus dem Jahre 1942.

 

Religiöses Bild, Entwurf von Magda Bánrévy.

Religöses Bild von Magda Bánrévy

 

 

In den folgenden Zeilen können Sie einige ungarische Zeitungsartikel über ihr Wirken lesen.

 

Aquarellbild von der Künstlerin Bánrévy Magda: "Keleti mese / Conte oriental"

Aquarell von Bánrévy Magda: "Keleti mese / Conte oriental"

(Quelle: Zeitungsausschnitt: „Müvészet“, V. évfolyam, 33. szám, 1940. Frühlingsausstellung der Kunsthalle in Budapest)

  • Zeitschrift: „Ungarische Kultur“ (Magyar Kultúra). 05. Januar 1941. Bericht von Dr. János Jaiczay.

Magda Bánrévy tritt zum ersten Mal vor die Öffentlichkeit. Mit Recht erregt sie Aufsehen durch ihre eigene Art des Ausdrucks und ihr illustratorisches Talent. Ihre Kunstwerke „Am Fenster“, „Im Norden“und „Der Traumtänzer“ enthalten viel mystisches und Märchenhaftes.

 

Eröffnung der Frühlingsausstellung in der Kunsthalle in Budapest in 1944.

Vernissage der Frühlingsausstellung in der Kunsthalle. Budapest, 1944.

 (Quelle: „Képes Krónika“ XXVI. évfolyam, 13. szám. 04. März 1944. Auf dem Bild oben: Eröffnung der Frühlingsausstellung in der Kunsthalle in Budapest. Auf der rechten Seite sieht man das Künstlerpaar: Magda Bánrévy und János Kampis)

 

  • Zeitschrift: „Der Tagesanbruch“ (Virradat). 19. Juni 1944 – Kunstausstellung in der Kunsthalle in Budapest.

Magda Bánrévy stellt sich als ausgezeichnete Aquarellistin vor. Die Probleme der Aquarellmalerei löst sie mit Bravour. Ungelöste Probleme sind für sie unbekannt. Sie ist vielleicht eine der besten Aquarellistinnen Ungarns und hat sowohl im Porträtieren als auch im Umgang mit Kompositionen eine ausgezeichnete Arbeit dargebracht. Ihre Bleistiftzeichnungen zeugen ebenfalls von großer Begabung. Die Bilder der Künstlerin sind die wertvollsten Schätze der Ausstellung.“  Einige ihrer ausgestellten Werke: „Trost“, „Graue Stimmung“, „März“, „Das Gebet“, „Das gelbe Gewand“ und „Männlicher Kopf“.

 

Ausstellung der gesammelten Werke, 11. Juni 1944

61. Ausstellung des "Mübarát"-Vereins (Kunstfreund-Verein) in Budapest

 

  • Zeitschrift: „Quelle“ (Forrás) im September 1944. Bericht von Tibor Schoepflin Padányi / Aus dem Ungarischen ins Deutsche übersetzt durch Monika Banrevy:

„Magda Bánrévy ist eine feinfühlige Erzählerin. Die Malerei ist für sie lediglich ein Werkzeug, um ihren Erzählungen Charakter zu verleihen. Ihre Aquarelle sind wertvolle Illustrationen. Wir sehen nicht sofort das ganze Bild, sondern wir entdecken Schritt für Schritt – fast in Reihenfolge – die vielen kleinen Erzählungen und Geschichten, welche uns die Künstlerin auf den Spuren des Autors allesamt mitteilen möchte. Magda Bánrévy erweckt die Zeichnungen zum Leben, sie kann mühelos jeder Stimmung und jedem Seelenzustand Ausdruck verleihen. Es ist erstaunlich wie sehr sich die Künstlerin dem literarischen Inhalt unterwerfen kann. Sie versetzt sich vollkommen in das Objekt und gilt als hervorragende Beobachterin der physiognomischen Seelenspiegelungen. Die Künstlerin spricht in weichen, biegsamen Linien. Die hauchdünnen, transparenten Farben, die ebenfalls den Aspekten der Darstellung untergeordnet sind, spiegeln eine feine Harmonie. Ihre Darstellungsweise verfügt über Klarheit und Vornehmlichkeit. Ihr Themenspektrum schöpft sie gerne aus einer weiten, mystischen Welt. Dies spiegeln ihre Werke „Östliches Märchen“, „Araber“ und „Parsifal“ wieder. Es wäre wünschenswert, sie intensiver als Illustratorin  zu beschäftigen, denn der verdiente Platz ihrer bezaubernden Werke ist eindeutig zwischen den Blättern der Bücher.“